Die Fahrt zum Flughafen verlief ausnahmsweise mal problemlos, keine Zugausfälle, Weichen- oder Signalstörungen, liegen gebliebene Fahrzeuge oder Streckensperrungen zwecks Bauarbeiten. Das einzig Unangenehme war das 17 minütige Warten am Zoo auf den Bus X9 nach Tegel, der Wind war ziemlich kalt und so zog ich mich für ein paar Minuten nochmal in die Bahnhofshalle zurück. Aber was da so um die Zeit für Gestalten rumlungern, echt gruselig.
Der Check-In am Flughafen verlief auch reibungslos, keine Schlangen an den Schaltern, trotzdem war der Flieger komplett voll. Mein einziger Kritikpunkt an dem Tag geht hier an den Opa, der neben mir saß. Er wollte er mich nicht auf meinen Platz am Fenster lassen, das wäre seiner. Kannste knicken Puppe, der wollte doch tatsächlich noch mit mir diskutieren und meiner Boardkarte wollte er auch nicht glauben, obwohl da direkt unter der Sitzplatznummer noch zusätzlich 'Fenster' stand. Er wollte mir partout nicht glauben. Als er die Reihe dann verließ, aber sie immer noch mit seinem Körper blockierte, um sein Ticket aus der Ablage zu fischen, hat's mir dann gereicht und ich bin im Ton etwas rauer geworden, da wich er dann endlich zurück. Aber in der Zeit, bis dann endlich der Typ mit dem Gangplatz kam, stand Opa mindestens 20x auf, um sein Gepäck in der Ablage zu kontrollieren, damit ihm da wahrscheinlich keiner was klaut. Dann saß auch endlich der Gangmensch und Opa fing an zu grummeln, wann es denn endlich losginge. Ansage vom Piloten, es gibt eine kurze Verzögerung, da noch schnell das Gepäck eines Anschlussfluges verladen wird. Glücklicherweise hörte man mein Knurren aufgrund der bereits laufenden Turbinen nicht, aber nicht etwa wegen der Verzögerung, die war mir schnurzegal, nein, wegen dem Opa. Der ging mir dermaßen auf den Zünder. Und so dünn der Alte auch war, Platz hat er sich trotzdem einfach verschafft, die Armlehnen zu beiden Seiten waren seine. Während des gesamten Fluges hat er mir ständig seinen knochigen, alten Ellenbogen in die Seite gerammt, ich freu mich jetzt schon auf morgen.
Memo an mich, Memo an mich: Sollte mir morgen die rechte Seite weh tun, Opa is schuld.
Jut, weiter im Thema ... ach, da fällt mir ein, Thema Opa is doch noch nicht abgeschlossen. Kaum hielt der Flieger am Gate standen die ersten Passagiere auf und blockierten den Gang - is ja "normal" -, Opa wurde unruhig. Nach ungefähr 30 Sekunden warten, Tür vorne war noch immer nicht offen - ach so, ich saß vorletzte Reihe hinten -, da hielt es Opa nicht mehr aus. Er wollte unbedingt an seine Sachen, komme was da wolle. Also pöbelte er den jungen Mann neben sich hoch, obwohl der Gang VOLL war und drängelt sich durch, um an seine Sachen zu kommen. Der junge Mann setzte sich natürlich wieder, sah mich an, rollte mit den Augen und schüttelte den Kopf, ich antwortete nur mit nem Lächeln und Schulterzucken. Opa nörgelte weiter, da es nicht voran ging.
Danach ging alles recht flott. Koffer holen, raus in die Vorhalle, Fahrkarte für 5 Tage gekauft und der kostenlose Bus-Shuttle zur nächsten Metrostation kam auch 5 Minuten später. Alles in allem hab ich ne Stunde vom Flughafen zum Hotel gebraucht. Das Hotel sah jetzt zwar von außen nicht so doll aus, die Fassade war in braun gehalten, aber das Zimmer war schön hell und modern eingerichtet, da gab's absolut nichts zu meckern.

Nach einer kurzen Verschnaufpause auf dem Zimmer bin ich aber auch schon wieder los. Das Hotel (Best Western Orion) liegt auf der linken Donauseite direkt an der Erzsébet hid (Elisabethbrücke) und auf dem Weg dorthin hab ich schon gesehen, das direkt in den Straßen rechts der Donau viele Leute unterwegs waren. Das hat mich natürlich neugierig gemacht. Ich bin dann vom Hotel aus zurück über die Brücke gelaufen (ist ja auch nur eine Busstation zu fahren) und hab mich ins Getümmel gestürzt. In der Fußgängerzone Váci utca waren bereits mehrere Weihnachtsmarktstände aufgebaut und auch schon geöffnet. Also bin ich dort ein wenig rumgeschlendert und habe auch einen Kaffeeverkauf meines Vertrauens gefunden. Die Grundversorgung ist also gesichert.

Als es langsam dunkel wurde, kam auch die Müdigkeit allmählich über mich, der Tag fing schließlich schon sehr früh an. Also hab ich mir noch schnell n bisschen was für den Abend zu futtern besorgt und für morgen früh und dann gings zurück zum Hotel. Dort hab ich dann erst durch Steffi von Paris erfahren. Unfassbar.
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