Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg


Der Weg stellt jedem nur eine Frage:Ich hatte schon von vielen gehört, wie toll sie dieses Buch fanden. Also hab ich mir überlegt, es mir auch einmal zu Gemüte zu ziehen. Ignoriert man das ganze „Gelaber“ über Gott etc., ist dieses Buch wirklich gut geschrieben. Ich habe viel gelacht und fand die Berichte über seine Etappenerlebnisse sehr spannend.
“Wer bist du?“
„Was um Himmels willen, hat mich eigentlich dazu getrieben, mich auf diese Wanderung zu begeben? Ich könnte jetzt zu Hause auf meinem Lieblingssofa liegen. Stattdessen beginnt hier und heute meine persönliche Pilgerreise auf dem Jakobsweg …“
Es ist ein nebelverhangener Junimorgen, als Hape Kerkeling, bekennende Couch potato, endgültig seinen inneren Schweinehund besiegt und voller Respekt und Unternehmungslust in Saint-Jean-Pied-de-Port aufbricht. Sechs Wochen Fußmarsch auf dem legendären Camino Francés liegen vor ihm, allein mit sich und seinem elf Kilo schweren knallroten Rucksack: über die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, quer durch das Baskenland, Navarra und Rioja, Kastilien-Léon bis nach Galicien zum Grab des Apostels Jakob, seit über 1000 Jahren Ziel für Gläubige aus der ganzen Welt.
Mit Humor und Blick für das Besondere erschließt Kerkeling sich die fremden Regionen, lernt er die Einheimischen ebenso wie moderne Pilger kennen. Er schildert den Reiz jeder einzelnen Etappe, erlebt Einsamkeit und Stille, Erschöpfung und Zweifel, aber auch Hilfsbereitschaft, Freundschaften und Momente, die für alle Entbehrungen entlohnen – und eine ganz eigene, überraschende Nähe zu Gott.
Hier einige kleine Kostproben:
Ich! Hans Peter Wilhelm Kerkeling, 36 Jahre, Sternzeichen Schütze, Aszendent Stier, Deutscher, Europäer, Adoptiv-Rheinländer, Westfale, Künstler, Raucher, Drachen im chinesischen Sternkreis, Schwimmer, Autofahrer, GEZ-Gebührenzahler, Zuschauer, Komiker, Radfahrer, Autor, Kunde, Wähler, Mitbürger, Leser Hörer und Monsieur.
Anscheinend weiß ich ja nicht mal so genau, wer ich selbst bin. Wie soll ich da herausfinden, wer Gott ist?
Meine Frage muss also erst mal ganz bescheiden lauten: Wer bin ich?
Da meine Wanderschuhe noch klitschnass sind, bleibt mir nichts anderes übrig, als in meinen Badelatschen loszulaufen […] Und mich befallen wieder Zweifel, ob ich als pummelige Couch potato wirklich gut daran tue, mal eben in Badelatschen die Pyrenäen zu überqueren. […] Da guckt dann schon mal der eine oder andere baskische Bauer belustigt aus der Wäsche, wohl wissend, dass das Meer schlappe zweihundert Kilometer entfernt liegt.An einer Stelle seines Buches bin ich jedoch Stirn runzelnd hängen geblieben:
Also gut – als Erstes suche ich nach mir; dann sehe ich weiter. Vielleicht habe ich Glück und Gott wohnt gar nicht so weit weg von mir. Sollte er jedoch in Wattenscheid leben, wäre ich hier allerdings ganz falsch!Anfang des Jahres, kurz nachdem mein Arbeitsgeber Räumlichkeiten im Potsdamer Zentrum bezog, habe ich mir den Spaß gemacht und bin von Arbeit aus zum Potsdamer Hauptbahnhof gelaufen. Dabei kam ich an einer Baustelle vorbei. Auf Schautafeln wird nicht nur das neu entstehende Stadtschloss beschrieben, sondern auch sämtliche Bauwerke in der näheren Umgebung. Eine dieser Tafeln war sehr interessant. Sie beschreibt die Evangelische St. Nikolaikirche. Zur Beweisführung hab ich dieses Foto gemacht, aber lest selbst:


Tja, Hape, den Weg hättest du dir sparen können. Das nächste Mal fährst du einfach nach Potsdam und klingelst mal bei „Dem-da-oben“.
Fazit: Sehr empfehlenswert!!!
Labels: Liebes Tagebuch, Witziges



