Während bei der deutsche Mannschaft seit einigen Wochen die in der Öffentlichkeit emotional diskutierte Frage nach der Nummer eins geklärt ist, hält die Kontroverse in Polen an. Eine besonders pikante Note erhielt das Duell zusätzlich dadurch, dass der Liebling der Fans gar nicht dabei ist: Den ursprünglichen Zweikampf zwischen Glasgow-Keeper Boruc und Liverpools Jerzy Dudek beendete Trainer Pawel Janas, indem er Dudek am 15. Mai aussortierte. Das ist so, als wenn Jürgen Klinsmann auf eine Nominierung von Kahn verzichtet hätte.
Dabei wäre Dudek, der Liverpool 2005 mit seinen gehaltenen Elfmetern den Sieg in der Champions League sicherte, auch ohne Stammplatz-Garantie nach Deutschland gefahren. «Warum nicht? Die Nummer zwei bei den Deutschen ist ja auch Oliver Kahn», sagte Dudek. «Mir hat niemand diese Chance gegeben. Ich fühle mich wie ein Sohn, den der Vater aus dem Haus gejagt hat. In meiner langen Karriere war das der schmerzlichste Schlag.»
Die meisten polnischen Fußballfans können diese Entscheidung nicht verstehen. Als das Nationalteam gegen Kolumbien 1:2 verlor und dabei sowohl Boruc als auch der frühere Hertha BSC-Torwart Kuszczak ungewöhnliche Treffer kassierten, riefen die Zuschauer lautstark nach Dudek. Der Coach sagte dazu: «Dudek hat bei Manchester ein noch schlimmeres Tor durchgelassen, und niemand erinnert ihn daran.»
Dabei spielt es nach den Angaben des Trainers nicht einmal eine Rolle, dass Kuszczak durch den Abschlag von Kolumbiens Keeper Luis Martinez aus 100 Metern Entfernung das kurioseste Tor in Polens Länderspiel-Geschichte kassiert hat. «Kuszczak hat die Chance nicht verloren, als Torwart Nummer eins gesetzt zu werden», sagte der Coach. Psychische Probleme, weil alle Welt über das Tor lacht, befürchtet er nicht. «Das ist kein Problem für ihn. Er ist stark genug, um wieder zu kommen», sagte der Coach.
Kuszczak gibt sich trotz des 100-Meter-Gegentreffers selbstbewusst: «Ich glaube, dass ich trotz dieser Kuriosität in Chorzow bei der WM spiele.» In einem Interview mit der Zeitung «Dziennik» sagte der Keeper von West Bromwich Albion: «Ich will nicht unbescheiden sein, aber für mich sprechen die Fakten. Ich habe in der englischen Liga fast 30 Spiele gespielt. Ich hatte mit den besten Stürmern Europas zu tun und wusste mir zu helfen.»
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