Somit habe ich erneut ein langes Wochenende. Das kann ich nach dem letzten ebenfalls langen Wochenende echt gut gebrauchen, bin immer noch etwas lädiert. Mein rechtes Knie knackt bei jedem Schritt und mein linker Knöchel schreit auch in den höchsten Tönen. Wenigstens kann ich die kommenden zwei Tage ausschlafen und meine Knochen etwas ruhig stellen, vielleicht hilft das ja.
Letztes Wochenende ging es nämlich nach Paris. Mit dem Check-In am Donnerstag ging's ja schon los; am Schalter saß ein echter Franzmann und bekam vor lauter Heimweh fast Pipi in den Augen als er las, wo wir denn hinwollten. Sein Computer war ziemlich langsam und dafür entschuldigte er sich ständig und dass wir uns die ganze Zeit so nett mit ihm unterhielten, fand er so toll, dass er uns die Gepäckgebühr geschenkt hat. Klasse. Auf sein Namensschild hatte ich leider nich geachtet, aber wir tauften ihn einfach Jacques-Francois. Jacques-Francois war schwul und total knuffig, so einen hätte ich auch gern. Als wir dann später am Gate warteten, sahen wir ihn wieder. Er redete mit den Damen vom Boarding und fuchtelte ständig mit den Händen rum, ich hätte mich jedes Mal wegschmeißen können.
Der Flug hatte zwar 10 Minuten Verspätung, aber die haben wir unterwegs wieder rausgeholt, aller Wahrscheinlichkeit nach mit Rückenwind. Am Flughafen CDG angekommen, traten wir den elendig langen Weg zur Bahnstation an, passende Fahrkarten für die kommenden Tage hatten wir gleich im Terminal an der Infomation gekauft. Nach längerer Bahnfahrt kamen wir endlich am Bahnhof Gare du Nord an und mussten uns durch die Ticketschleusen und das Busabfahrtsgewusel zwängen und natürlich sind wir als erstes in die falsche Richtung gelaufen. Die Fahrt zum Hotel war ziemlich lang und gequetscht, man man, wer da nich alles mit wollte. Danke Google-Streetview hatte ich mich im Vorfeld über die Gegend rund ums Hotel schon mal informiert und so sprang mir das Neonschild PIZZA schon von weitem ins Auge, hier war unsere Haltestelle. Das Hotel war schnell gefunden und das Einchecken ging problemlos. Das Aussteigen aus dem Fahrstuhl allerdings verlief fast tödlich, denn die Fahrt endete zwischen den Etagen auf einer Wendeltreppe, die ich so nich sah, da der Fahrstuhl zu klein war, um sich darin zu drehen. Ich musste also so aussteigen, wie ich eingestiegen bin - vorwärts rein, rückwärts raus. Ich wiederhole: Wendeltreppe. Tolle Erfindung, ganz toll.
Das Zimmer war zwar um einiges kleiner als auf den Fotos im Internet, aber wir wollten ja schließlich nicht verweilen, sondern uns die Stadt ansehen. Zum Ausklang des Abends schauten wir uns noch rasch die direkte Umgebung an und waren am Ende von den Preisen der Restaurants so geschockt, dass wir bei den zwei goldenen Bögen aßen.
Die erste Nacht hab ich kaum geschlafen: das Bett zu weich, die anderen Gäste zu laut (jede Tür besitzt normalerweise eine Klinke, man muss sie nur benutzen) und meine Kollegin als Zimmergenossin des Nachts zu unbekannt. Ich kann dann nich richtig pennen, is aber immer nur die erste Nacht.
Am Freitagmorgen machten wir uns dann auf die Stadt zu erkunden. Unsere erste Station war der Louvre, die Menschenmassen verteilen sich glücklicherweise recht gut über das komplette Museum und so hatte man wenigstens eine Chance die Venus von Milo, sowie die Mona Lisa auch mal von Nahem zu sehen, soweit die Absperrungen es eben zuließen. Danach ging's weiter zur unterirdischen Pyramide, wer den Film Sakrileg gesehen hat, der weiß, was ich meine. Ich dachte allerdings immer, dass die aufeinander zu laufenden Pyramiden ein Teil des Louvre sind. Nö, weit gefehlt. Die befinden sich zwar in unmittelbarer Nähe des Louvre, gehören aber eigentlich zu einem unterirdisch angelegten Shopping-Center. Ja, richtig gelesen. Genau DAS sieht man aber im Film nicht. Voll die Verarsche. Tze!
Weiter ging es dann zu Fuß die Champs-Élysées entlang, an einem Springbrunnen machten wir kurz halt und ließen uns von der Sonne brutzeln. Herrlich, wat n Wetterchen. Unser Weg führte uns dann weiter über den Place de la Concorde, entlang der teuren Schickimicki-Läden zum Arc de Triomphe. Meine Kollegin machte sich dort doch glatt den Spaß eine Gruppe von Japanern zu fotografieren, die sich grade für ein Gruppenbild aufstellten. Sie fand das unheimlich lustig. Ab hier ging es mit der Metro weiter nach Montmartre, Sacré-Cœur stand nun auf dem Programm. Auf dem Weg nach oben, aber noch lange nich auf dem Weg hoch zur Kirche, kamen wir an unzähligen Souvenireläden vorbei. Keine Ahnung, durch wie viele Läden wir sind, aber am Ende hatte ich zwei neue Handtaschen und ne Menge Kleinkram, meiner Kollegin ging's ähnlich. Die Treppen hoch nach Sacré-Cœur waren schon herausfordernd, aber wir habe sie gepackt, na ja, zumindest bis kurz vor die Kirche. Aufgrund des hohen Besucheranteils, haben wir uns den weiteren Aufstieg und das Gedränge im Inneren dann doch geschenkt. Aber von dort, bis wo wir hoch sind, hatten wir einen wunderschönen Ausblick über die Stadt.


Der nächste Morgen: Nachdem wir uns beim Bäcker um die Ecke ein paar richtig leckere Rosinenschnecken gegönnt hatten, haben wir uns auf den Weg nach Notre-Dame gemacht. Nein, den Glöckner haben wir nicht gesehen, dafür aber einen laufenden Gottesdienst. Nach dem Rundgang durch die Kathedrale sind wir einmal außen rum, das Gebäude sieht von hinten viel schöner aus als von vorn. Von dort ging's weiter zur Kirche Saint-Sulpice. Die in die Straßen von Paris eingelassenen Markierungen der Rosenlinie haben wir leider nicht gesehen, dafür aber den Standort des Schlußsteins, wie im Film Sakrileg, in der Kirche Saint-Sulpice. Zu Fuß ging's weiter durch den Jardin du Luxembourg zum Panthéon. Dort in der Krypta befinden sich unter anderem die Sarkophage von Victor Hugo, Voltaire, Alexandre Dumas und vielen weiteren großen Persönlichkeiten.
Nach einer kurzen Verschnaufpause machten wir uns langsam auf den Weg zum Eiffelturm. Vor Wochen hatte ich bereits Tickets für uns übers Internet bestellt, damit wir an den Ticketschaltern nich erst Stundenlang anstehen mussten. Als wir auf der Plattform ankamen, war es noch relativ hell, aber es dauerte nicht lange und es war stockdunkel. So konnten wir Paris am Tag und bei Nacht von oben sehen. Pünktlich um 18:00 erstrahlte der Eiffelturm in gelb und mit viel Blitzlichtgewitter. Das sah richtig gut. Danach fungierte er als Leuchtturm mit rundum Scheinwerfer.

"Copyright Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau"
Völlig fertig und entsprechend fußlahm ließen wir den Tag ausklingen und packten am Abend unsere Koffer. Am Sonntag fielen wir noch mal beim Bäcker ein und genossen ein letztes Mal diese super leckeren Rosinenschneckchen. Am Flughafen gab es dann nochmal ne Situation, die ich etwas befremdlich fand. Das man mittlerweile am Automaten einchecken kann, is ja nicht neues, aber nach dem Check-in mussten wir uns in die Schlange einreihen, um unsere Koffer aufzugeben und auch das mussten wir dann noch selber machen. Da stehen zwar Mitarbeiter der Fluggesellschaft rum, aber man muss den QR-Code vom Flugticket einscannen, dann den Koffer aufs Band packen und auch diesen nochmal scannen. Hallo? Wozu stehen da bitte die Mitarbeiter rum, wenn man alles selber machen muss. Unglaublich, jetzt muss man schon seinen Koffer selber scannen. Is das bereits die Vorbereitung des Fluggastes auf die Zukunft ganz ohne Flughafenpersonal? Man kann auch an der falschen Stelle einsparen.
Gegen 19:30 war ich dann endlich wieder Zuhause, hab schnell geduscht, die Waschmaschine programmiert und freute mich auf meine Couch. Boah, wat n Wochenende. Jetzt bräuchte ich erstmal Urlaub. Glücklicherweise waren es “Dank“ dem GDL-Streik ja nur 3 Arbeitstage und dann ein langes Wochenende.
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